Tamiflu laut WHO bei Schweinegrippe-Infektion nicht immer zwingend nötig

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Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen Personen, die sich mit Schweinegrippe infiziert haben, nicht zwingend Medikamente wie Tamiflu einnehmen. Nur bei einem schweren Krankheitsverlauf sollte der Virus mit Tamiflu behandelt werden, so die WHO.

Die Einnahme spezieller Medikamente ist bei einer Schweinegrippe-Infektion für ansonsten gesunde Menschen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht notwendig. Grippemittel wie Tamiflu sollten Patienten bekommen, die zu Risikogruppen gehörten, erklärte die WHO am Freitag. Bei einem schweren Krankheitsverlauf solle aber sofort mit Tamiflu behandelt werden, möglicherweise sogar in einer höheren Dosierung als bisher. Nach Deutschland wird das Virus nach wie vor von Touristen eingeschleppt.

Die WHO erklärte, Ärzte müssten bei leichten oder mittleren Fällen bei sonst gesunden Menschen keine antiviralen Medikamente verschreiben. Anders sei dies bei Risikopatienten, das sind laut WHO Kinder unter fünf Jahren, Schwangere, Menschen über 65 und Personen mit Problemen wie Herzbeschwerden, Diabetes oder HIV. Bei ihnen besteht den Angaben zufolge ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Krankheit verläuft überwiegend mild
Die neue Empfehlung der WHO steht im Widerspruch zu den Anweisungen der Gesundheitsministerien einiger Länder, darunter Großbritannien. Dort wird Tamiflu an alle ausgegeben, die möglicherweise an Schweinegrippe erkrankt sind. Notwendig ist nicht einmal ein Arztbesuch, vielmehr genügt ein Anruf bei einer landesweiten Grippe-Hotline. Der britische Gesundheitsminister Andy Burnham hat zugesagt, Tamiflu werde für alle zur Verfügung stehen, die es bräuchten. Experten haben beim gewöhnlichen Grippevirus H1N1 bereits Resistenzen gegen das antivirale Medikament festgestellt und fürchten, dass auch der Schweinegrippe-Erreger nicht mehr auf das Mittel ansprechen könnte.

Laut WHO könnten in den kommenden zwei Jahren bis zu zwei Milliarden Menschen an Schweinegrippe erkranken, das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung. In den kommenden Monaten werde die Verbreitung des Virus massiv zunehmen und auch mehr Menschen das Leben kosten, sagte der WHO-Direktor für die Region des westlichen Pazifik, Shin Young Soo, am Freitag. In vielen Ländern könnten sich die Fallzahlen alle drei bis vier Tage verdoppeln. „Ab einem gewissen Punkt wird es so scheinen, als gebe es eine Explosion der Fallzahlen“, sagte Shin auf einer Tagung von Gesundheitsexperten in Peking.

Shin forderte die Regierungen daher zu raschem Handeln auf. Gleichzeitig warnte der WHO-Experte, dass vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer gefährdet seien, weil ihre Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet und unterfinanziert seien.

Vor allem Reiserückkehrer bringen Virus nach Deutschland
Nach wie vor schleppen vor allem Reiserückkehrer die Schweinegrippe nach Deutschland ein. Die Zahl Infektionen stieg bis zum (gestrigen) Donnerstag auf 13 740, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Homepage mitteilt. Dies seien 560 mehr gewesen seit der letzten Aktualisierung. Davon hätten 431 Touristen das H1N1-Virus vom Urlaubsort mit nach Deutschland gebracht. 129 hätten sich daheim angesteckt.

Nach Angaben der WHO kostete das Schweinegrippe-Virus bis vergangene Woche fast 1 800 Menschen das Leben. Die meisten Patienten erholen sich nach einer Infektion aber ohne ärztliche Behandlung binnen einer Woche. An der jährlichen „gewöhnlichen“ Influenza sterben jedes Jahr allein in Deutschland Tausende Menschen.
gxg/AP

Quelle: bild.de, rp-online.de, focus.de, welt.de, berlinonline.de, AFP, mz-web.de, n-tv.de, sueddeutsche.de, spiegel.de, aerztezeitung.de.....